Chronik – Das erste Löschfahrzeug

vw_busBei der Feuerwehr Borgwedel gab es dann im Jahr 1956 den nächsten bedeutsamen Wechsel in der Führung: der bisherige Gemeindewehrführer Hans Brammer war zum Amtswehrführer gewählt worden und legte daher sein Amt in der Gemeindewehr nieder. Nicht zuletzt durch diese Berufung fand die gute Aufbauarbeit in der freiwilligen Feuerwehr Borgwedel erneut breite Anerkennung. Gustav Schmidt wurde einstimmig zum neuen Wehrführer gewählt.

Wie gut diese Entscheidung war, wird nicht zuletzt dadurch deutlich, daß er dieses Amt bis zu seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst im Jahr 1971, insgesamt 15 Jahre lang ausübte. Unter seiner Führung wurde die Wehr zu einer festen Größe in der Gemeinde. Im Jahr 1958 wurde dann die nächste größere Anschaffung fällig : die mittlerweile fast 18 Jahre alte TS war “unvorhergesehen” gebrauchsunfähig geworden. Wie immer, traf dies die Gemeinde zu einem ungünstigen Zeitpunkt, denn kurz vorher hatte die Firma Möbus ihren Betriebssitz in Borgwedel aufgegeben. Ein herber Verlust, denn dadurch entfielen in der Gemeinde immerhin fast 10.000 DM jährlich an Gewerbesteuereinnahmen, die nicht so leicht zu kompensieren waren. Außerdem begann man gerade mit einer umfassenden Instandsetzung der Gemeindestraßen. Dennoch mußte die Feuerwehr einsatzfähig bleiben, so daß im Juli eine neue TS der Marke Magirus von der Klöckner-Humboldt-Deutz AG geliefert wurde. Gegenüber dem Zweitakter der alten TS verfügte die neue über einen modernen, 28 PS starken, luftgekühlten Industriemotor von VW. Somit war man wieder einmal auf dem neusten Stand der Technik. Zusammen mit der notwendigen Ausstattung investierte die Gemeinde 5.356,- DM in den Brandschutz. Das entsprach damals etwa einem durchschnittlichen Jahreseinkommen!

Trotzdem mußte die Pumpe immer noch mit einem Fremdfahrzeug, im allgemeinen dem Schlepper eines Landwirts, zur Einsatzstelle gefahren werden. Den ersten größeren Einsatz erlebte die neue TS im Mai 1960, als das Esprehmer Moor großflächig brannte. Als Brandursache nennt der Einsatzbericht fahrlässige Brandstiftung. Die eingesetzten Wehren, neben Borgwedel auch Fahrdorf, Busdorf, Geltorf und Selk, bekamen den Flächenbrand erst in den Griff, als bereits 75 ha Moor und eine Tannenschonung von den Flammen vernichtet waren.

Auch bei der Alarmierung erreichte man erhebliche Fortschritte. War man in den ersten Jahren nach dem Krieg noch auf Nebel- und Signalhörner angewiesen, so wurden nach und nach auch auf dem Land Sirenen installiert. Mit der “Allgemeinen Verwaltungsvorschrift für den örtlichen Alarmdienst” vom 12.1.1961, sollte der Einbau von Luftschutzsirenen in allen Gemeinden erfolgen. In der Gemeinde Borgwedel wurden die ersten Sirenen ebenfalls zu Beginn der 60-iger Jahre installiert. Die Standorte waren:

– Bullenstation in der Süderstraße Hans Brammer in Borgwedel – Peter Thomsen in Stexwig

fotoarchiv_4Eine der Schlimmsten Naturkatastrophen dieses Jahrhunderts traf unser Land zu Beginn des Jahres 1962 und forderte auch von den Männern der Freiwilligen Feuerwehr Borgwedel den vollen körperlichen und psychischen Einsatz: als im Februar 1962 während einer verheerenden Sturmflut die Deiche an der Westküste Schleswig-Holsteins brachen, wurden tausende Menschen obdachlos, viele verloren nicht nur Hab und Gut sondern auch ihr Leben. Niemand, der dies miterlebte wird es je vergessen !

Die Modernisierung der Wehr fand dann 1965 ihren vorläufigen Höhepunkt, denn das Amt Haddeby hatte sich entschlossen, für alle Freiwilligen Feuerwehren Löschfahrzeuge zu beschaffen! Somit konnte man zukünftig ohne fremde Hilfe den Einsatzort erreichen. Am 20. Mai 1965 wurden die fertigen Fahrzeuge anläßlich des Amtsfeuerwehrtages in Borgwedel vom Amtsvorsteher Asmussen und Amtswehrführer Hans Brammer an die einzelnen Wehren feierlich übergeben. Die zweite Hälfte der 60-iger Jahre brachte der Freiwilligen Feuerwehr viel Arbeit, denn mit dem neuen Fahrzeug wurde es notwendig, auch das Gerätehaus auf Vordermann zu bringen. Für den Tragkraftspritzenanhänger hatte es zwar bislang ausgereicht, aber für das TSF wurde es knapp. Die Türen waren baufällig, und es regnete hinein. Schließlich mußte auch der alte Schlauchturm abgebrochen werden. Rund um das Gerätehaus herum wurde der weiche Untergrund in Handarbeit verfestigt und aufgefüllt, damit man mit dem Fahrzeug einigermaßen rein- und rausfahren konnte.

Eigentlich war es an der Zeit, ein neues Gerätehaus zu errichten, aber die Gemeindekasse gab es noch nicht her.
Das Jahrzehnt des Wirtschaftswunders ging in der Gemeinde Borgwedel für ihre Feuerwehr mit einem Großfeuer seinem Ende entgegen: am Dienstag den 11.Februar 1969 heulten um 14.30 Uhr die Sirenen. Das Dach des Kuhstalls von Hermann Reimers in Stexwig brannte lichterloh! Auf dem Boden lagerten Stroh, Heu und Erntevorräte. Bei klirrender Kälte bekämpften alle Wehren des Amtes und der Löschzug III aus Friedrichsberg das Feuer. Bald konnte man sich kaum noch bewegen, da die nasse Kleidung schnell stocksteif gefror. Vor allem galt es das wertvolle Vieh zu retten, bevor das Feuer zu weit um sich griff. Aus dem Brandbericht geht hervor, daß der gesamte Bestand, insgesamt 84 Stück Großvieh, 16 Kälber und 4 Zuchtsauen gerettet und in dem damals leerstehenden Stall des Koch’schen Anwesens untergebracht wurden. Abends gegen 20.00 Uhr hatte man das Feuer unter Kontrolle und die Wehren des Amtes teilten sich in der Nacht die Brandwache. Doch noch den ganzen nächsten Tag hatte man damit zu tun, die immer wieder aufflammenden Brandnester in den Stroh-, Holz- und Schieferresten des Gebäudes niederzuhalten. Alles in allem war es ein erfolgreicher Einsatz, immerhin konnten Werte von vielen Hunderttausend Mark gerettet werden.

Im Jahr 1970 stellte sich die Freiwillige Feuerwehr Borgwedel erstmals dem Leistungswettbewerb der Feuerwehren. Man erwarb die Leistungsplakette in Bronze mit der stolzen Punktzahl von 184. Im folgenden Jahr nahm man erneut daran teil und verbesserte sich auf 186 Punkte. Mit diesem Ergebnis wurde die hervorragende Arbeit der Wehrleitung unter der Führung von Gustav Schmidt untermauert. Seine Dienstzeit endete im Jahr 1971. Nach fast 48 Jahren Dienst an der Allgemeinheit, davon 10 Jahre als Stellvertretender Wehrführer und 15 Jahre als Gemeindewehrführer, wurde Gustav Schmidt im Dezember 1971 in die Ehrenabteilung verabschiedet.

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